5/5 ⭐⭐⭐⭐⭐
Szenen einer Ehe
𝙄𝙣𝙝𝙖𝙡𝙩𝙨𝙖𝙣𝙜𝙖𝙗𝙚 𝙑𝙚𝙧𝙡𝙖𝙜:
Bertram und Isolde, ein
in die Jahre gekommenes Paar aus Oldenburg, möchten sich in Heidelberg mal
einen richtig schönen Kurzurlaub gönnen. Vielleicht vertreibt das ja auch den
seelischen Smog über dem Eheleben. Das Boutiquehotel ist für das viele Geld gar
nicht so toll; dafür haben die beiden gleich einen neuen Stamm-Italiener
ausgemacht. Das Restaurant voller Flair befindet sich auf einem alten
Flussschiff im Neckar.
Während die Ehe der
beiden im Verlauf einer Woche zusehends aus der Form gerät, wird auch der
abendliche Gang auf das Restaurantschiff immer mehr zur Enttäuschung, zur
Strafe, zur Höllenqual. Das Teuflische bricht mit verheerender Macht in den
Alltag, am Ende steht eine Katastrophe – und das alles zum
Schlager-Oldie Memories of Heidelberg in Dauerschleife.
𝙈𝙚𝙞𝙣𝙚 𝙄𝙣𝙝𝙖𝙡𝙩𝙨𝙖𝙣𝙜𝙖𝙗𝙚:
Isolde und Bertram sind schon einige Jahre verheiratet. Bertram liebt seine Frau sehr, sie findet bei ihm aber immer nur das Haar in der Suppe. Die Luft ist raus, die Liebe entschwunden, körperliche Nähe lässt Isolde schon lange nicht mehr zu. Bertram, ohnehin sehr übergewichtig, sucht Befriedigung im Essen und lechzt nach jeder Freundlichkeit, die Isolde ihm noch zukommen lässt. Vielleicht bringt ja der Kurzurlaub in Heidelberg ein bisschen frischen Wind ins eingefahrene Eheleben. Sie nächtigen in einem völlig überteuerten Boutique-Hotel und nehmen ihr Abendessen auf dem benachbarten Restaurantschiff ein. Der erste Abend ist ganz nett und so wird der schwimmende Italiener zum allabendlichen Stammlokal auserkoren. Doch jeden Tag wird es schlechter und schlechter: mit der Ehe und dem Restaurant. Zielsicher steuert beides auf die ultimative Katastrophe zu.
Erster Satz: »Auf Empfehlung eines Freundes hin haben sich Isolde und Bertram für eine Woche im direkt am Neckarufer gelegenen Boutique-Hotel & Spa Kurpfalz eingebucht.«
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𝙈𝙚𝙞𝙣 𝙀𝙞𝙣𝙙𝙧𝙪𝙘𝙠:
An den besonderen Schreibstil, der zwischendurch ein bisschen abgehackt wirkt wie ein Bericht, musste ich mich erst ein bisschen gewöhnen. Aber herrjeh: was für eine schräge, absurde, witzige und irgendwie auch traurige Geschichte ist das bitte?! Erzählt wird aus der Sicht von Bertram, nicht von ihm selbst, aber eben aus seiner Warte. Bertram zu begleiten ist teils extrem komisch, seine Seelenqualen so mitzubekommen aber gleichzeitig auch traurig. Er entblößt sich schon fast vor dem Leser und oft genug hätte ich ihn gern geschüttelt, weil seine Weichheit, Schwäche und Untätigkeit sowie seine unerschütterliche, aber kaum erwiderte Liebe zu Isolde schwer zu ertragen war. Dann sorgten wiederum völlig absurde, slapstickartige Szenen für lautes Lachen. Die Restaurantschiff-Odyssee tat ihr übriges dazu. Ich dachte mir jeden Tag (die Kapitel sind die jeweiligen Tage): die werden doch heute nicht schon wieder dorthin gehen! Doch ZACK, sie haben es wieder getan! Und von Tag zu Tag wird es schrecklicher und absurder und komischer. Das Ende hatte ich so absolut überhaupt nicht auf dem Schirm, dennoch war es schlicht der perfekte und krönende Abschluss dieser irrwitzigen Story. Ein Buch, dass bei mir nachwirkt: ich ertappe mich auch Tage nach Ende der Lektüre immer wieder dabei, wie ich voller Mitleid an Bertram denke. Von mir 5/5 Sterne.
Vielen Dank an ROWOHLT für das Rezensionsexemplar
Zum Buch bitte hier entlang: MEMORIES OF HEIDELBERG / ROWOHLT
Mal reinlesen? Geht klar: LESEPROBE
Die Homepage des Autors erreichst Du über folgenden Link: HEINZ STRUNK
Titel: Memories of Heidelberg
Autor: Heinz Strunk
Verlag: Rowohlt
Genre: Roman
Hardcover mit Schutzumschlag, 176 Seiten
ISBN: 978-3-498-00974-8
Erscheinungsdatum: 17.07.2026
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